Die Vererbung der Gefiederfarbe bei den Japanischen Wachteln, Chinesischen Zwergwachteln  und Virginiawachteln.                                        ZUR STARTSEITE

Die Vererbungslehre ist ein vielschichtiges Thema. Bewusst suche ich eine einfache und leicht verständliche Darlegung dazu.

Ein Mensch hat nach neueren Forschungen etwa 20 000 bis 25 000 Gene (Erbfaktoren). Diese sind auf 23 Chromosomen (gentragende Kernfäden) verteilt. Japanwachteln haben 39 Chromosomen und sicher Gene in ähnlicher Größenordnung wie der Mensch. Alle Chromosomen kommen paarig vor. Die Nachkommen erhalten jeweils einen Chromosomensatz von ihren beiden Eltern. Bei der Fortpflanzung werden durch komplizierte Teilungsvorgänge (Mitose und Meiose) die Chromosomenpaare getrennt und nur jeweils ein einfacher Chromsomensatz wird über die Eizelle oder die Samenzelle an die Nachkommen weiter gegeben. Durch die Befruchtung verbinden sich die Chromosomensätze der Eltern und in der befruchteten Eizelle liegt dadurch wieder ein kompletter Chromosomensatz vor.

Farben, die geschlechtsgebunden vererben (deren Gene also auf den Geschlechtschromosomen oder Gomosomen sitzen), werden unten gesondert behandelt.

Alle anderen Chromosomen sind so genannte autosomal oder frei vererbende Chromosomen. Die zueinander gehörigen Chromosomen, die ein Paar bilden (jeweils eins kommt von Vater und Mutter), nennt man homologe Chromosomen.

Auf jedem Chromosomen liegen nun hunderte bis tausende Gene aufgereiht, sehr vereinfacht gesagt, für jedes Merkmal eins. Daraus lässt sich ableiten, dass auch für jedes Gen ein Paar (zwei Allele) vorhanden ist, nämlich auf jedem homologen Chromosomen eins. Beide Allele können die gleiche Ausprägung haben. Dann ist der Vogel in diesem Merkmal reinerbig. Eines der beiden Allele kann aber auch durch eine Mutation (sprunghafte Erbänderung) eine veränderte Ausprägung haben, dann ist der Vogel in diesem Merkmal spalterbig.

Damit kommen wir unseren Wachteln schon wesentlich näher. Wir befassen uns hier ja nur mit Genen, die die Farbausprägung steuern. Das sind nicht sehr viel und nach bisherigen Erkenntnissen liegen sie alle auf verschiedenen Chromosomen. Damit ist die Voraussetzung gegeben, dass alle frei miteinander kombinierbar sind, denn bei den oben erwähnten Teilungen der Chromosomen werden die Chromosomensätze nach dem Zufallsprinzip aus den einzelnen Chromosomen zusammengestellt.

Es ist zu betonen, dass nur die Veränderung eines einzigen Gens von den zigtausenden einen neuen Farbschlag bilden kann. Und auch nur dieses eine Gen ist es jeweils, mit dem wir uns befassen müssen. Zugegeben ist das eine sehr vereinfachte Darstellung, sie genügt aber weitgehend, um einen Einblick in die Farbvererbung zu erlangen.

Die Pigmente

Es gibt verschiedene Farbstoffgruppen, Pigmente, die im embryonalen Zustand in die Federzellen einwandern und dort die Färbung des Gefieders bestimmen. Bei den Japanischen Wachteln und den Chinesischen Zwergwachteln haben wir es nur mit Melanin zu tun. Dieses teilt sich wie folgt auf und bildet die darunter stehenden Farben:

Melanin
Eumelanin Phäomelanin
schwarzbraune, dunkle, blaue, graue Farben rotbraune, rötliche, sandgelbliche Farben

Melanin wird in unterschiedlicher Dichte und Form in den Federzellen angelegt. Dadurch entstehen im Gefieder der wildfarbigen Wachteln die unterschiedlichen Färbungen, vor allem auch durch die Kombination von Eumelanin und Phäomelanin.

Die Farbvererbung

Reinerbige Wildfarbige miteinander verpaart werden immer wieder Wildfarbige als Nachwuchs bringen. Die Wildfarbe wird aber nun nicht durch ein einzelnes Gen vererbt, sondern durch das Zusammenwirken einer Vielzahl von Farbgenen. Wie viel das im Einzelnen sind, lässt sich nur erahnen. Es sind zumindest mehr als insgesamt unterschiedliche Farbmutationen bekannt sind, denn jede einfache Farbmutation entsteht ja durch die Veränderung eines anderen Farbgens.

Diese Farbvererbung ist im Einzelnen ein extrem komplexer, sich aus sehr vielen einzelnen Schritten zusammensetzender und deshalb anfälliger Vorgang. Dadurch kommt es immer wieder zu Fehlern im Stoffwechsel und damit in der Reproduktion der Anlagen zur Wildfarbe. Das führt letztendlich zu neuen Farbschlägen.

Verantwortlich für die Vererbung sind Gene (Erbfaktoren), die sich in unterschiedlicher Weise von einer Generation zur anderen vererben können. Wenn ein Farbgen, also ein Gen, das die Farbe bestimmt, verändert wird, sprechen wir von einer Mutation (Erbänderung). Der Grund für eine Mutation kann vielfältig sein. In der Natur wird sie in der Regel durch Störungen beim Farbbildungsprozess hervorgerufen, die erblich sind. Ein Lebewesen, das sichtbar eine solche Erbänderung trägt, nennen wir Mutante. Alle unsere Wachteln, die einem Farbschlag außerhalb der Wildfarbigen angehören, sind also Mutanten. Korrekt kann man sie auch in Farb- und Zeichnungsmutanten (Schecken) teilen.

Die rezessive Vererbung

Bei der Farbvererbung gibt es unterschiedliche Weisen der Vererbung. Verbreitet ist die sogenannte rezessive (zurückweichende) Vererbung.

Diese zeichnet sich dadurch aus, dass ein verändertes rezessives Gen erst einmal nicht sichtbar wird. Nur wenn es von beiden Eltern vererbt wird, ist es beim Nachkommen doppelt vorhanden und wird dann sichtbar.

Dazu ein praktisches Beispiel. Silber vererbt bei den Zwergwachteln rezessiv gegenüber Wildfarbig. Ein wildfarbiger Vogel, der ein Silbergen führt, bleibt wildfarbig, ist aber spalterbig in Silber. Erst wenn zwei Elterntiere aufeinander treffen, die beide spalterbig silber sind, können silberne Jungtiere auftreten. Die Wahrscheinlichkeit, dass das auftritt, ist zu einem bestimmten Prozentsatz zu erwarten, nämlich nach Zeile 4 der folgenden Tabelle Falle 25 %.

 

Die Tabelle für den rezessiven Erbgang: 

  Eltern Nachkommen
1 Wildfarbig x Wildfarbig 100 % Wildfarbig    
2 Wildfarbig x Wildfarbig/silber 50% Wildfarbig 50 % Wildfarbig/silber  
3 Wildfarbig x Silber   100 % Wildfarbig/silber  
4 Wildfarbig/silber x  Wildfarbig/silber 25 % Wildfarbig 50 % Wildfarbig/silber 25 % Silber
5 Wildfarbig/silber x Silber   50 % Wildfarbig/silber 50 % Silber
6 Silber x Silber     100 % Silber

Wie aus Zeile 4 zu sehen ist, fallen aus zwei Spalterbigen nur 25 % als Silberne. Die Wahrscheinlichkeit, dass das genau so eintritt, ist aber erst bei einer großen Anzahl von Nachkommen zu erwarten. Dazu werden alle anderen Verpaarungsmöglichkeiten aufgeführt. Genau genommen ist hier  nicht Wildfarbig dominant, sondern nur das Allel zu silber. Bevorzugen wir Buchstaben als Kurzbezeichnung für die Bezeichnung der einzelnen Gene, dann wäre s = Silber und S = Wildfarbig, korrekter Nichtsilber. Dieser kleine Teil der Mendelschen Erbregeln wird sicher jedem bekannt sein.

Solche Mutanten entstehen in den meist relativ eng verwandten Individuen in unseren Hobbyzuchten viel eher als in der Wildnis. Deswegen und weil der Mensch alles Seltene als hochwertig ansieht und mit viel Liebe aufpäppelt, entstehen nach einer Reihe von Generationen, erfahrungsgemäß sind das meist etwa 25 Generationen, nach und nach eine Vielzahl von Farbmutanten bei vielen Vogelarten. Sehr bekannt und zuerst beobachtet wurde diese Vielzahl beim Wellensittich, Jahrzehnte später erfolgten die gleichen oder ähnliche Mutationen bei vielen anderen Sitticharten. Bei unseren beiden Wachtelarten sind Farbmutanten vornehmlich seit Mitte des letzten Jahrhunderts bekannt geworden. Es entstehen noch laufend weitere.

Die rezessiv vererbenden Gene: 

Chin. Zwergwachtel Japanische Wachtel
Silber Weiß
Weiß Rotkopf
Rehbraun Zimt (geschlechtsgebunden)
Rotbraun  
Isabell  
Rotbrust  
   

 

Die dominante Vererbung

Bei dieser dominiert (überdeckt) das mutierte Gen alle anderen. Auch hier hat sich anfänglich nur ein Gen verändert, ist also mutiert. Im Gegensatz zur rezessiven Vererbung überdeckt aber die neue Farbe beispielsweise Wildfarbig. Wildfarbig vererbt also hier rezessiv zu z.B. Dunkel, oder Dunkel vererbt dominant zu Wildfarbig. Neu ist, dass bereits eine Wachtel mit einem mutierten Gen die neue Farbe zeigt. Man spricht hier auch von einfaktorigen oder eben spalterbigen Vögeln. Sie sind mit den Spalterbigen bei den Rezessiven bedingt vergleichbar. Vögel mit zwei dominanten Genen nennt man dagegen zweifaktorige Vögel, sie sind reinerbig in dieser dominanten Mutation. Bei den Zwergwachteln kennen wir neben den Dunklen die Perlung und die Scheckung als dominant vererbend. Bei den Japanischen Wachteln ist es nur die Scheckung.

Die folgende Tabelle zeigt auch hier die verschiedenen möglichen Erbgänge. Kleine Abweichungen vom Schema stehen noch bei der Besprechung des Farbschlages Dunkel. Außerdem ist zu erkennen, dass Wildfarbig zu rezessiven Genen dominant, zu dominanten rezessiv vererbt. Aber es gibt ja das Gen Wildfarbig gar nicht, sondern nur eines der Gene ist am Prozess beteiligt, und das kann unterschiedlich besetzt sein. Trotz dieses scheinbaren Widerspruches stehen hier diese Beispiele, weil sie sehr praxisnah und als Einstieg in die Geheimnisse der Genetik geeignet sind. Als Kurzbezeichnung müsste hier für wildfarbig Nichtdunkel (d) als Allel zu Dunkel (D) stehen. Zu den Kurzbezeichnungen kommen wir später noch.

Die Tabelle für den dominanten Erbgang: 

Eltern Nachkommen
1 Wildfarbig x Wildfarbig 100 % Wildfarbig
2 Wildfarbig x Dunkel/wildfarbig 50% Wildfarbig 50 % Dunkel/wildfarbig
3 Wildfarbig x Dunkel 100 % Dunkel/wildfarbig
4 Dunkelwildfarbig x Dunkelwildfarbig 25 % Wildfarbig 50 % Dunkel/wildfarbig 25 % Dunkel
5 Dunkel x Dunkel/wildfarbig 50 % Dunkel/wildfarbig 50 % Dunkel
6 Dunkel x Dunkel 100 % Dunkel

  Dominant vererbende Gene:

Chin. Zwergwachtel Japanische Wachtel
Dunkel Gelb
Geperlt Fee
   

 

Die intermediäre Vererbung

Die intermediäre Vererbung ähnelt stark der dominanten Vererbung. Hauptsächlicher Unterschied ist die Tatsache, dass die einfaktorigen Vögel mit Sicherheit von den zweifaktorigen unterschieden werden können. Aus diesem Grunde wird diese Vererbungsweise auch als Kodominanz bezeichnet. Die einfaktorige Form steht also im Aussehen zwischen beiden Elternteilen. Bei den Zwergwachteln haben wir diese Form nicht, aber bei den Legewachteln. Das bekannte klassische Beispiel hierfür sind bei Mendel die roten und weißen Erbsen, aus denen intermediär die rosa Erbsen entstehen.

Als Beispiel sollen die nach den Wildfarbigen am besten verbreiteten Goldsprenkel bei den Legewachteln dienen. In Anlehnung an die oft benutzte Bezeichnung Goldsprenkel soll das mutierte Gen Gold heißen. Die Goldsprenkel sind die einfaktorigen oder spalterbigen, die Goldenen sind die zweifaktorigen oder reinerbigen Wachteln.

 Die Tabelle für die intermediäre Vererbung: 

  Eltern Nachkommen
1 Wildfarbig x Wildfarbig 100 % Wildfarbig    
2 Wildfarbig x Goldsprenkel 50 % Wildfarbig 50 % Goldsprenkel  
3 Wildfarbig x Gold   100 % Goldsprenkel  
4 Goldsprenkel x Goldsprenkel 25 % Wildfarbig 50 % Goldsprenkel 25% Gold
5 Gold x Goldsprenkel   50 % Goldsprenkel 50 % Gold
6 Gold x Gold     100% Gold

 Intermediär (kodominant) vererbende Farben:

 
Chin. Zwergwachtel Japanische Wachtel
  Gold
  Tenebrosus/Dunkel
  Silber

Die drei angeführten Tabellen über die Vererbung sind sehr praxisnah aufgestellt.

Durch die folgende Tabelle soll verdeutlicht werden, wie die Wildfarbe sich aus mehreren Genen zusammensetzt. Der Übersicht halber nenne ich nur drei mutierte Genpaare der Zwergwachteln. Die Tabelle kann aber durch die Aufnahme weiterer Farbgene beliebig erweitert werden. Wir sehen bei Wildfarbig drei nicht mutierte Genpaare: Nichtsilber (SS), Nichtweiß (WW) und Nichtdunkel (dd). Durch die Mutation eines oder mehrerer Gene entstehen dann die angegebenen Mutanten, darunter auch die Kombination von Silber und Dunkel. Die jeweils mutierten Gene werden rot hervorgehoben. 

Wildfarbig SS WW dd
Wildfarbig/spalt silber Ss WW dd
Silber ss WW dd
Dunkel spalterbig SS WW Dd
Dunkel reinerbig SS WW DD
Silber-Dunkel ss WW DD
Weiß SS ww dd
Weiß 2 ss ww DD

In der letzten Spalte (Weiß 2) steht als Beispiel ein Weißer, der reinerbig in Weiß, Silber und Dunkel ist, trotzdem erscheint er nur weiß (Begründung siehe Scheckenzüchtung unten). Diese Tabelle kann beliebig mit allen Farbgen-Paaren und spalterbigen Möglichkeiten erweitert werden. Stark erweitert für Zwergwachteln steht sie auf der Seite Gen-Tabelle.

Die geschlechtsgebundene Vererbung

(211) Inzwischen hat es sich herausgestellt, dass auch alle Zimter der Legewachteln geschlechtsgebunden vererben. Das verläuft nach dem gleichen Schema wie in der Tabelle 8 bei den Albinos.

(2005) Da immer wieder Fragen kommen zur geschlechtsgebundenen Vererbung auch bei anderen Arten, soll hierzu etwas geschrieben werden.

Dazu etwas über Albinismus bei Wachteln und verwandten Arten:  Aus der ehemaligen Wachtelzucht in Iden steht im Internet eine Information, dass der Albinismus bei Japanwachteln geschlechtsgebunden vererbe und damit eine Geschlechtserkennung am Küken möglich sei. Aus der Paarung Albinohahn x Wildfarbige Henne entstünden nur Albinohennen- und Wildfarbige Hahnenküken. Die Geschlechter sind an den rötlich scheinenden Augen der Hennenküken in Verbindung mit dem fast weißen Flaum auf den ersten Blick zu erkennen. -  Diese Albinos sind sehr lichtempfindlich und deshalb für normale Haltung bei Tageslicht nicht zu empfehlen. Sie haben sich vermutlich deshalb auch nicht verbreitet.

Im neueren Wachtelbuch von D. Köhler sind als ebenfalls geschlechtsgebunden vererbende Farbschläge Rot, Braun und Zimt angegeben.  Rot und Braun sind dabei mit einem Letalfaktor behaftet, der das Leben reinerbiger Tiere fast vollkommen verhindert.

Zwergwachtel-Albinos als Einzeltiere entstehen in letzter Zeit immer wieder in verschiedenen Zuchten, haben sich aber bisher als nicht voll lebensfähig erwiesen. Wie es aussieht, stammen sie alle von einem Hahn ab, sind also offensichtlich eine Neumutation.

Albinismus bei Chukar-Steinhühnern wird definitiv geschlechtsgebunden vererbt. Zwei mir bekannte Züchter haben im Jahre 2005 eine größere Anzahl Albinohennen dieser Art aufgezogen. Aus spalterbigen wildfarbigen Hähnen fielen ziemlich genau 50 % der Hennen als Albinos. Auch diese mussten getrennt aufgezogen werden, waren aber offensichtlich nicht so extrem lichtempfindlich wie die Japanwachteln. Diese Albinos werden fälschlicherweise auch als Weiße angeboten.

Grundsätzliches: Die so genannten Geschlechtschromosomen (auch Gonosomen) kommen als einziges Chromosomenpaar in unterschiedlicher Größe vor. Bei Säugetieren (also auch beim Menschen) hat das Männchen ein X-Chromosom und ein Y-Chromosom, das Weibchen aber zwei X-Chromsomen. Unter anderem wird dadurch die Geschlechtsvererbung gesteuert. Das Männchen produziert zweierlei Spermien, solche mit einem X-Chromosom und welche mit einem Y-Chromosom. Je nachdem, welcher Typ bei der Befruchtung zum Zuge kommt, wird ein Männchen oder ein Weibchen gezeugt. Die Vererbung heißt deshalb eben geschlechtsgebundene Vererbung. Denn die Vererbung ist nicht vom Geschlecht des Elternteils abhängig, sondern vom zum Ziel kommenden Geschlechtschromosomen des jeweiligen Spermiums.

Bei den Vögeln ist die Situation fast umgekehrt: Der Hahn hat zwei der X-Chromsomen, die Henne nur eines. Neben der Geschlechtsvererbung haben vor allem alle Gene, die auf diesen Gonosomen sitzen, Bedeutung. Das heißt aber: Die Henne bekommt nur vom Vater das X-Chromosom, von der Mutter keines. Sie erbt also auch alle Gene, die über das X-Chromosom vererbt werden, nur vom Vater.

Das ist der Grund, warum bei Vögeln die Henne mit nur einem X-Chomosom in einem auf diesem sitzenden Gen reinerbig ist. Ist es ein Farbfaktor (auch rezessiv vererbbar), ist also dieser auch einfaktorig erkennbar. Nur der Hahn mit zwei X-Chromsomen kann spalterbig sein, da er dieses Chromosom von beiden Eltern erhält und sie deshalb unterschiedlich sein können.

Zur Verdeutlichung soll in der Tabelle das Albinogen a genannt und an das X-Chromosom angehängt werden. Als Gegenstück für a bei nichtalbinotischen Tieren möchte ich hier eine o verwenden.

Vier Genotypen haben wir hier. Da auf dem Y-Chromosomen der Henne kein entsprechendes Farbgen vorhanden ist, wird die Farbe jeweils nur von einem Gen gesteuert. Diese X-Chromosom kommt aber immer vom Vater. Das heißt aber auch, dass die Mütter bei diesen speziellen Farbgenen auf die Farbe der Töchter keinen Einfluss haben:

Tabelle 8 Genotyp Phänotyp
Reinerbiger Hahn XaXa Albino
Spalterbiger Hahn XaXo Farbiger
Reinerbige Henne Xa Albino
Reinerbige Henne Xo Farbige

Noch etwas ist in diesem Zusammenhang interessant. Auch wenn Albinos als neu entstandene Mutante vielfach sehr lichtempfindlich sind, so können wir doch staunen, dass es im Tierreich Arten gibt, deren Albinos nach vielen Generationen offensichtlich voll sehfähig sind. Ich denke hier an Albinos bei Mäusen, Kaninchen, Guppys und mehr. Das kann so zusammen hängen: Im Prinzip sind in der Iris keine Melanine mehr vorhanden. Trotzdem gibt es erstmal für uns mit bloßem Auge nicht sichtbar wenige dieser Pigmentteilchen. Wird jetzt durch Auslese erreicht, dass sich doch für uns unsichtbar Melanin in der Iris verbreitet, erhalten wir zumindest teils sehfähige Tiere. Bei Japanwachteln gibt es bereits wissenschaftlich anerkannt zwei verschiedene Albino-Mutanten: 1. vollständiger Albinismus (a) und 2. unvollständigen Albinismus (al). Es besteht also auch für die Zwergwachteln durchaus eine Chance, eines Tages gut lebensfähige Albinos zu züchten. Ob es sinnvoll ist, ist eine andere Frage. Es gibt aber in der Geflügelzucht viel Neuzüchtungen, die wenig Sinn enthalten.

 

Farbkombinationen - auch sehr neue

Bei der Chinesischen Zwergwachtel treten wie bei vielen anderen Arten Farbmutanten auf, die in zwei rezessiv vererbenden mutierten Genen reinerbig sind oder auch gemischt mit dominant vererbenden Genen.

Hier kommen wir zum Problem Schreibweise. Es soll der zunehmenden Tendenz gefolgt werden, dass in der Bezeichnung die Hauptfarbgene mit Bindestrich vereint genannt werden, dominante werden vorangestellt. Die Farbe wird vor die Zeichnung gestellt. Unabhängig davon gibt es aber auch umgangssprachliche Bezeichnungen, die mit angeführt werden, wenn sie sehr verbreitet sind. Eine solche ist Elfenbein. Ebenfalls werden bei den Farbschlägen anerkannte Bezeichnungen auf Ausstellungen, die nicht den genetischen Zusammenhängen folgen, mit angeführt.

Elfenbein als Beispiel ist eine Kombination aus Silber und Rehbraun, wird genetisch korrekt also Silber-Rehbraun genannt. Zwei verdünnende Faktoren ergeben gemeinsam eine extrem aufgehellte silberne Mutante. Weiterhin kombiniert mit den beiden dominanten Genen Geperlt und Schecke, ergeben sich Silber-Rehbraun-Geperlt-Gescheckte, umgangssprachlich etwas kürzer auch Elfenbeingeperlte Schecke genannt. Es ist also ein Vierfachkombination. So etwas zu züchten, erfordert schon einige wenige Kenntnisse in der Vererbungslehre.

Erwähnenswert sind weiterhin die Kombinationen Silber-Dunkel (Silber ohne Maske) und deren geperlte und gescheckte Form. In den USA werden vor allem in Kombination mit Dunkel vielerlei Kombinationen gezüchtet und angeboten. Schön sehen sie alle nicht aus. Aber das ist Geschmackssache.

Bei der Japanischen Wachtel werden bisher meines Wissens nur Kombinationen von Schecken mit allen vorhandenen Farbschlägen gezüchtet. Einzelne anfallende Tiere deuten aber darauf hin, dass es offensichtlich möglich ist, Kombinationen von Goldsprenkel mit Silber (sehen sehr rußig aus) und Tenebrosus (gold-dunkle Sprenkel) zu züchten. Das ist aber noch Neuland.

Eine völlig neue Erweiterung bei den Japanwachteln sind die seit 2008/09 in Deutschland verbreiteten Rotköpfe (anfänglich auch als Tschechische Mastwachteln und Sperber bekannt). Ihnen folgen 2009/10 verschiedene Varianten der Zimter. - beides wird hier auf der Website näher beschrieben unter den korrekten Bezeichnungen  Rotkopf  und  Zimt.

Auch die Jahre 2011/12 bringen wieder Neuheiten. Offensichtlich bei einem Züchter nahe der Ostsee,  vermutlich als neue Mutation bei der Zucht von Goldsprenkel-Mastwachteln entstanden, fielen Japanwachteln, die ich unter dem Sammelbegriff Fee-Wachteln als Legewachteln gezüchtet habe. Da Fee zwar dominant gegenüber Wildfarbig vererbt, aber Gold dominant über Fee ist, wurden beide Fee-Faktoren verdeckt unter Gold vereinzelt bei den Mastwachteln verbreitet. Siehe auch Fee.

Scheckenzüchtung

Da Schecken sowohl bei den Zwergwachteln wie auch bei den Japanwachteln vorkommen und die Vererbung etwas kompliziert ist, hier dazu etwas grundsätzlich.

Es gibt im Vogelreich eine Vielzahl von Möglichkeiten, wie Schecken durch genetische Defekte entstehen können. Beide hier behandelten Wachtelarten verhalten sich in dieser Beziehung nahezu identisch. Der einzige Unterschied besteht in der Tatsache, dass bei den Zwergwachteln aus spalterbigen Schecken Reinweiße herausspalten, während es bei den Japanwachteln fast immer nur Hellschecken werden.

Die farbliche Grundlage ist ein rezessives Weiß mit dunklen Augen. Alle Schecken haben dieses Genpaar reinerbig. Es verhindert im Gefieder die Synthese aller Farbstoffe. Ursächlich hängt das damit zusammen, dass im Embryo alle Pigmentzellen, in denen das Melanin gebildet wird, durch einen genetischen Defekt nicht in der Lage sind, in die Hautzellen einzuwandern und an diese das Melanin abzugeben. Die Federn bleiben dann weiß, weil sich in diesen "leeren" Zellen das Licht bricht.

Aber kein Defekt ist vollkommen. An bevorzugten Stellen im Gefieder wird die Verhinderung der Ausfärbung durchbrochen und es entstehen farbige Federfluren. Diese bevorzugten Stellen sind bei der Japanwachtel Kopf und Rücken, bei der Zwergwachtel kommen noch sich nach unten ausdehnende Flügelansätze hinzu. Bei der Japanwachtel entstehen so die Hellschecken, bei der Zwergwachtel wird auf Schönheit in der Weise gezüchtet, dass sich die farbigen Felder ausdehnen und etwa 50 % des gesamten Gefieders einnehmen. Genaueres ist in den entsprechenden Beiträgen bei den Farbschlägen zu finden.

Bei beiden Wachtelarten entstehen aber auch Dunkelschecken. Besonders durch das Anpaaren farbiger Vögel an Schecken bleibt bevorzugt der Brustlatz weiß, während das übrige Gefieder farbig erscheint. Diese Latzzeichnung greift durch Auslese gern auf den gesamten Bauchbereich über.

Alle Schecken-Varianten können in allen vorhandenen Farbschlägen vorkommen. Die Farbgene verschwinden nicht durch das rezessive Weiß, sondern sind an den gefärbten Federfluren deutlich zu erkennen. Wir müssen also die Vererbung der Scheckung von der der Farben völlig trennen.

Die Vererbung der Scheckung können wir als dominant über das rezessive Weiß behandeln. Paaren wir also Schecke x Schecke, werden überwiegend Schecken entstehen, allerdings mit einer starken Streuung der Scheckung. Gut durchgezüchtete gescheckte Stämme vererben die Zeichnung auch relativ gut. Sobald aber zur Vermeidung zu enger Inzucht andere Schecken, aber auch weiße oder farbige Tiere eingekreuzt, ist eine starke Aufspaltung die Regel. Das wird besonders deutlich, wenn mit dem Ziel neuer Farbschläge farbige Wachteln einkreuzt.

 Gefahren der Inzucht

An sich ist die Inzucht für Kenner der Materie eine bewährte Zuchtmethode. Hier soll es nicht um verschiedene Zuchtmethoden unter Einbeziehung von Inzucht gehen, sondern um deren Gefahren, da alle Wachtelarten extrem empfindlich gegen Inzucht sind. Bei der Herauszüchtung neuer Farbschläge ist Inzucht nicht zu umgehen, denn manchmal werden diese erfolgreich auf einem einzigen Tier aufgebaut. Spätestens nach drei Generationen engste bis enge Inzucht (Eltern-Nachkommen-, Vollgeschwister-, Halbgeschwister-Paarung) entstehen bei unseren Wachteln deformierte Zehen und schwache Beingelenke. Erstaunlicherweise sind Leistungsminderungen, mangelnde Befruchtung und Brutergebnisse erst später zu beobachten. Bei solchen Experimenten müssen also, wenn sie auf Dauer Erfolg versprechend sein sollen, sofort mehrere Linien aufgebaut werden. Zusätzlich sollte nach Gleichgesinnten gesucht werden, um die neuen Farbschläge auf eine breitere Basis zu stellen.

Immer günstig ist es, wenn auf die sehr verbreiteten Wildfarbigen zurückgegriffen werden kann. Bei den Zwergwachteln ist ja noch ein guter Fundus an hervorragenden Wildfarbigen vorhanden, die sich meist problemlos einkreuzen lassen (die Schlupfquote steigt oft sprunghaft an). Danach muss man eben den gewünschten Farbschlag wieder „herausmendeln“. Bei den Japanwachteln und den Virginiawachteln sieht es ähnlich aus. Möglichkeiten dafür werden bei den Farbschlägen aufgezeigt.

Extreme Beispiele von Inzucht wurden bei den bereits erwähnten Rotköpfen und Zimtern festgestellt. Dort schlüpften vor der gezielten Inzuchtbekämpfung noch jeweils etwa 10 lebensfähige Jungtiere aus 100 Bruteiern. Auffällig war die Tatsache, dass die wenigen Küken bei den Rotköpfen vorwiegend Hähne waren (bei mir 8 Hähne und 2 Hennen), andere mehrfache Brutergebnisse waren 1 Hahn aus 18 Bruteiern. Damit in Verbindung standen außerdem mangelnde Konstitution, die sich neben schlechter Befruchtung der Hähne in spät einsetzender und nur kurze Zeit anhaltender Legeleistung zeigte. - Nach zwei Generationen Fremdzucht hatten sich in beiden Fällen sowohl die Legeleistung wie die Brutergebnisse völlig normalisiert. In beiden Fällen wurden leistungsfähige wildfarbige Legewachteln eingekreuzt, bei den Zimtern natürlich dann auch andere Farbschläge.

Die Letalfaktoren

Die Letalfaktoren spielen bei den Zwerg-. und Legewachteln eine große Rolle. Bei den Zwergwachteln betrifft es offensichtlich nur die amerikanischen Geperlten, dazu einen rotäugigen Farbschlag. Bei den Japanwachteln dagegen wurde eine große Anzahl von Farbmutanten als damit behaftet beschrieben. Im derzeitigen Bestand bei uns kann das die Dil-Vögel, die Gelben, die Albinos und als Semiletale die Zimtwachteln betreffen. Bei den Zimtwachteln gibt es offensichtlich auch Schwarzäugige, die keine Sehstörungen haben. Ebenso sind Gelbe bekannt ohne abgestorbene Embryos oder Störungen in der Entwicklung. Auch bei den rotäugigen Zwergen ist das so. -  Offenbar ist eine Trennung von Farb- und Letalfaktorvererbung möglich.

Die Letalität kann auf zwei Wegen vererbt werden. Entweder gehört die Letalität zum veränderten Gen voll dazu, dann erfolgt die Vererbung konstant mit dem Farbgen. Es ist aber auch möglich, dass Farbe und Letalität auf zwei sehr nahe auf einem Chromosomen liegend vererbt werden. In diesem Falle erfolgt durch das Crossing over in einem bestimmten Prozentsatz eine Trennung beider Gene. Die Folge ist, dass auch letalunbelastete Farbwachteln entstehen.  

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